Bücher & Multimedia
Verzehr' dich nicht, mein Herz
Zurück blätternZur ÜbersichtVorwärts blättern

 
 
 
Verzehr dich nicht, mein Herz
Verzehr dich nicht,
mein Herz

von Judith Moore
ca. 250 Seiten
Deuticke Verlag Wien
ISBN 3-216-30413-2

...gleich bestellen!
 


 
 
 
Dieser Roman erzählt von einer Frau, die nach einer schwierigen Jugend in eine unglückliche Ehe flüchtet. In einer Affäre mit einem ebenfalls verheirateten Mann glaubt sie, die Liebe ihres Lebens gefunden zu haben, doch bei den ersten Problemen zieht sich der Liebhaber zurück. Der Erzählstil von Judith Moore macht diese anscheind alltägliche Geschichte zu einem Stück großer Literatur.

Das scheinbar nur nebensächliche Thema Kochen und Essen zieht sich als roter Faden durch die Lebensge- schichte der Romanfigur. So kann man diesen Roman auch als Kochbuch lesen. Die erwähnten Rezepte wecken beim Leser die Lust zum Nachkochen.

Judith Moore ist Verlagslektorin und Journalistin beim San Diego Reader. Sie lebt in Berkeley, Kalifornien. 1987 erschien ihr erstes Buch, The left coast of paradise. Ihr knapp zehn Jahre später erschienener zweiter Roman Verzehr dich nicht, mein Herz wurde für den Faulkner-Preis nominiert.


Mein Vater mochte Marys Hühnerpastete sehr, und sie machte uns gerade eine zum Abendessen. Für eine Pastete schmorte sie zunächst ein altes Suppenhuhn, wie sie es nannte. Ich erinnere mich, daß wir alte Suppenhühner bekamen (aber nicht mehr daran, woher oder wie sie in die Küche gelangten). Die Hühner waren immer gerupft und ohne Kopf, die dürren, gelben, schuppigen Beine und Füße hingen noch dran.

An dem Nachmittag stand Mary am Herd und hielt das alte Suppen-
huhn über die Gasflamme, um die bläulichen Stoppelfedern abzusengen, die aus dem nackten Körper der Henne staken wie die Wochenendstoppeln aus dem Kinn meines Vaters. Die Reste des gebrochenen Hühnerhalses hingen schlaff herunter, und ein langer, leerer Hautärmel baumelte daran. Jedesmal, wenn eine Flamme eine Stoppelfeder erwischte, machte die brennende Feder zzsch. Die brennende Feder roch genauso wie brennendes Haar.

Der Sturm ließ nicht nach, und der Regen prasselte so stark auf unser Dach, daß ich selbst die Stimmen aus Marys Radio nicht mehr hören konnte. Das Wasser in dem schwarzen eisernen Schmortopf kochte jetzt schon, und Mary legte das Huhn in das sprudelnde Wasser und drehte dann die Flamme herunter und bedeckte den Topf mit einem Deckel. Sofort begannen sich die Küchenfenster zu beschlagen, und bald konnte ich nicht mehr aus dem Fenster schauen, und dann rief mein Vater aus dem Büro an, um sich zu versichern, daß bei dem Sturm alles in Ordnung mit uns sei. Mary ließ mich eine Minute mit ihm sprechen. Er sagte, wenn ich nicht durch die Küchenfenster sehen könne, dann solle ich mich im Eßzimmer auf den Fensterplatz setzen und den Sturm von dort aus beobachten, und dann knisterte es in der Leitung, und ich konnte ihn kaum verstehen und gab Mary den Hörer zurück.


Copyright ©1999 - All rights reserved.