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Die Zunge |
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Die Zunge
von Lea Singer, Gebundene Ausgabe - 317 Seiten (2000) Klett-Cotta, Stgt.; ISBN: 3608935207 |
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Angesiedelt in der Zeit der französischen Revolution. Sittenbild der Dekadenz der aristokratischen Gesellschaft und doch ein Buch für Liebhaber guten Essens und Trinkens. Die Zunge als Hauptsinnesorgans eines verkrüppelten Aristokraten, Grimod, der den Gebrauch derselben verfeinert und vervollkommnet. Grimod wird erste Gourmetkritiker und sorgt mit seinen Mittwochsgesellschaften in Paris für Aufsehen. Gesellschaftskritisch jedoch keineswegs genußfeindlich wird hier die Zeit vor der Revolution angeprangert um dann auch die Auswüchse der Revolution selbst zu kritisieren. Wichtige Personen wie Dr.Guillotin, Beaumarchais, Lavater und Voltaire tummeln sich an den verschieden gedeckten Tischen. Grimod wird zur Verbannung in ein Kloster geschickt und lernt hier die Vorzüge der Klosterküche kennen und erkennt, dass auch der Verzicht auf den Verzicht großer Anstrengungen bedarf. Gulasch aus Schnepfenfleisch nach der Art der Bernhardinermönche, neben Pastete nach Art der Paulaner erfreut seine Zunge. Warum macht Sauce glücklich?, fragt sich Grimod, als er sie mit einem Happen Seewolf auf der Zunge hat. Zumindest eine Sauce wie diese hier. Er weiß, dass diese Sauce ihn aus denselben Gründen betört wie eine Frau: weil sie nicht zu fett ist und nicht zu mager, weil sie sanft ist aber nicht aufdringlich, weil zu spüren ist wieviel Kunstverstand in ihr steckt, und sie trotzdem natürlich wirkt. Diese Sauce, schreibt er, beschert mir die Einsicht, dass wir nur das, was in sich ausbalanciert ist, als schön empfinden. Alle Übertreibung schadet. Das Übertriebene ist bestenfalls interessant. (rp) |
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