NLF Einleitung
Nitratbelastung Leibnitzer Feld
Ursachen und Hintergründe. Aus der Serie: "Bemerkungen zur Trinkwasserforschung"

Ergründet von Potok 8


1. Einleitung

Der Großsiedlungsraum um Leibnitz war schon immer ein bevorzugtes Siedlungsgebiet der Menschheit. Bevor er von den Steirern besiedelt wurde, nutzten schon viele Völker diesen klimabegünstigten Raum. Von den ersten Siedlern wissen wir allerdings wenig. Nennenswerten Bevölkerungszuwachs erhielt der Raum aber sowieso erst durch die verstärkte Einwanderung der Veneto-Illyrer um 1000 v.Chr. Unzählige erhaltengebliebene Hügelgräber belegen heute das Wirken und Schaffen dieses Volkes. Etwa 300 v.Chr. nahmen sich die Kelten dieses Siedlungsraumes an, mußten ihn aber bald mit den Römern teilen (siehe Flavia Solva). Pest, Hexenverfolgung, Diphterie und Malaria führten dazu, daß es von nachrömischer Zeit bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zu keinem nennenswerten Bevölkerungszuwachs kam.

Die Klimagunst des Leibnitzer Feldes mit seiner tertiären Umrahmung - dem Grabenland - verlockte seit je her zum Anbau von Wein. Nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus konnte mit Hilfe der Spanier die in den südamerikanischen Anden beheimatete Grundbirne oder auch Kartoffel (Solanum tuberosum), der Kukuruz1 (Zea mays) und der Tabak (Nicotiana tabacum) in Europa Fuß fassen.

Der zunehmende Fleischverbrauch im 20. Jh. erforderte den vermehrten Anbau von Erdäpfeln und Mais als Futtermittel für die Schweinemast. Die bei der Verfütterung von Erdäpfeln an Tiere häufig auftretende Schlempemauke (juckender Hautausschlag) ermöglichte es dem Kukuruz in den letzten 3 Jahrzehnten, den Erdapfel als Anbaufrucht an Bedeutung weit zu überflügeln. Die damit verbundene geänderte landwirtschaftliche Nutzung und deren Auswirkung auf das Grundwasser soll im folgenden etwas beleuchtet werden.

Die steigende Bevölkerungsdichte bewirkt auch einen steigenden Wasserbedarf, im Flachland mehr als im hügeligen Weinbaugebiet. Zugleich bewirkt die gewachsene Bevölkerung einen erhöhten Ausstoß von Schadstoffen. Festgestellt werden kann, daß im Weinbaugebiet mehr Wasser gelassen als genommen wird. Im Flachland des Leibnitzer Feldes verhält es sich genau umgekehrt.


1Nur mehr von historischem Interesse ist die Herkunft des Namens. Seit dem Wüten der Kuruzzen und Türken, welche brandschatzend über das gepeinigte Land herfielen gilt das Schimpfwort kruzitürken als Vermaledeiung. Der Name Türken für Kukuruz oder Mais stammt jedoch von der Bezeichnung türkischer Weizen (ZENEGG-SCHARFFENSTEIN, 1930). Daher heißt die Maisanbaufläche auch heute noch Kukuruzacker, bzw. Türkenacker. Auch die Erfindung des Türkensterzes stammt aus dieser Zeit.

 


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