NLF Geologische Übersicht
Nitratbelastung Leibnitzer Feld
Ursachen und Hintergründe. Aus der Serie: "Bemerkungen zur Trinkwasserforschung"

Ergründet von Potok 8


2. Geologische Übersicht

Wenn auch das Leibnitzer Feld eine Talung ist, so kann seine geologische Entwicklungsgeschichte dennoch nur im Zusammenhang mit der alpidischen Gebirgsbildung gesehen und verstanden werden. Wie die mit der oberostalpinen Decke des Grazer Paläozoikums transgressiv verknüpfte Kainacher Gosau mit ihrem südalpinen Geröll (Fusulinen) belegt, ist die Herkunft des heute die Basis von Grazer - und Leibnitzer Feld bildenden Paläozoikums im Südosten, vielleicht im Gebiet des heutigen Ungarn zu vermuten..

Sei es wie es sei, die im Zuge der Deckenstapelung2 erfolgte Krustenverdickung führte unter den Alpen zu einem isostatischen Auftrieb, während es randlich und außerhalb infolge Dehnung zu Krustenverdünnung und damit verbundenen Einbrüchen und Absenkungen kam. Die Hauptabsenkung erfolgte in jungtertiärer Zeit. Der abgesenkte Raum wurde dabei durch Grundgebirgsschwellen in mehrere Teilbecken gegliedert. Für das Leibnitzer Feld war die Grundgebirgsschwelle im Raum Wildon - Lebring von größter Bedeutung. Konnte doch hier wegen der lichtdurchfluteten Untiefe ein reichliches Algenwachstum einsetzen, welches uns heute als fossiles Algenriff im Raum Wildon mit zahlreichen Steinbrüchen beglückt3.

Die Grundgebirgsschwelle bei Wildon zeugt im Raum Lebring, wo sie im Flußbett der Mur aufgeschlossen ist, von dem basischen Vulkanismus, der im Paläozoischen Meer als Begleiterscheinung und Vorbote des nahenden Zerbrechens des alten Kontinentes uns überall entgegentritt. Aber auch im Tertiär fanden die Magmen ihren Weg entlang der Einbruchszonen des Steirischen Beckens an die Oberfläche. Zeugnis dieser Vulkanausbrüche legt z.B. der Shoshonit von Weitendorf ab, welcher als glühende Lava das marine Bodenleben von Schnecken, Krebsen, Muscheln und anderem Getier jäh beendete und bedeckte.

Nach der Verlandung des Steirischen Beckens am Ende des Tertiärs dürfte das Leibnitzer Feld im wesentlichen bereits seine heutige Form gehabt haben. Auch dürfen wir sicherlich annehmen, daß eine ständig ausufernde Paläomur das Leibnitzer Feld damals zu einem Tummelplatz für Amphibien und Stechmücken4 machte.

Es folgte die Eiszeit. Daß es mehrere Kalt- und Warmzeiten gab, wissen wir aus anderen Gebieten. Aus den Ablagerungen des Leibnitzer Feldes allein läßt sich das nicht ableiten. Hier begegnen uns nämlich in erster Linie die würmzeitliche Niederterrasse und die rezente bis subrezente Austufe der Mur. Lediglich einige kleinere lehmbedeckte Erhebungen im Norden (Afram, St. Georgen) und bei Kleinjöß lassen Terrassenrelikte der Rißzeit erkennen.

Legt man die heute vorliegende Morphologie des Leibnitzer Feldes einer Massenberechnung der Muraufschotterungsleistung zugrunde5, so sieht man sofort, daß diese beträchtlich war.

Die Schotter und Sande, aus denen die Terrassen bestehen, wurden nach dem Abschmelzen des Murgletschers von einer damals deswegen deutlich mehr Wasser führenden Mur durch die Enge bei Wildon zwischen Buchberg und Kollischberg in das Leibnitzer Feld eingeschwemmt. In den nachfolgenden Zeiten bis heute schnitt sich die Mur in diesen Terrassenkörper ein und schuf, weil damals noch mäandrierend, die breite Austufe.


2 Es handelt sich hierbei natürlich nicht um Decken im Sinne TOLLMANN'S, da wir uns ja auf steirischem Boden befinden, aber auch nicht im Sinne FLÜGEL's, wie es vielleicht der Leser glauben möchte. Die Urheberschaft liegt vielmehr völlig im Dunkeln und läßt sich vielleicht sogar noch vor die Lebenszeit des berühmten Naturforschers Belsazar HACQUET zurückdatieren, welcher anläßlich seiner "Mineralogisch - botanischen Lustreise vom Berg Terglou in Krain, zu dem Berg Glokner in Tyrol im Jahre 1779 und 1781" auch schon einige interessante Beobachtungen machte.

3 Die lange Geschichte der Steinbrüche begann mindestens schon zur Römerzeit. Den größten Aufschwung erhielten sie allerdings erst im 19. Jh., als man versuchte, die verwilderte Flußstrecke der Mur mit Sinkwalzen und normalen Faschinen sowie Steinwürfen zu entschärfen. Der Transport der Bruchsteine erfolgte damals mit zweispännigen Wägen und wurde entsprechend der Formel W=t/Tb(2D/v+z) in Kreuzern bezahlt, wobei W die Transportkosten per Kubikmeter geschlichteten Stein sind (siehe Hochenburger 1894). Auch der Name Aframer Stein hat wegen des einstigen Abbaues bei Afram seine historische Berechtigung.

4 Wenn auch nicht fossil belegt, so dürfen wir aus Analogieschlüssen bei der Betrachtung ähnlich sumpfiger Gebiete mit dem Vorhandensein von Stromoxys calcitrans als Geißel der Wildrinder, aber sicherlich auch mit anderen Nematocera wie etwa Culex pipiens, Theobaldia annulata und der von den Menschen gefürchteten Anopheles maculipennis rechnen. Ob der Malariaerreger Plasmodium vivax damals im Leibnitzer Feld heimisch war, wissen wir mangels schriftlicher Überlieferungen aus dieser Zeit aber nicht.

5 Der Leser wird diese Berechnung unschwer selbst durchführen können, wenn er das Gebiet in zahlreiche Rechtecke zerlegt und nach der einfachen Formel:

V = V1 + V2 +.....Vn = L1.B1.H1 + L2.B2.H2 + ....Ln.Bn.Hn

verfährt, wobei er für die Ermittlung von H1, H2,...- Hn, die Karte des präquartären Untergrundes von der topographischen Karte subtrahiert (V=Volumen, L=Länge, B=Breite, H=Höhe).

 


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