Slowenien -
speziell für Weinliebhaber
von Slavka Fraueneder

Teil I: Überblick und Region Primorje

Als Gott Sloweniens Landschaft schuf, bewies er wahrhaft eine glückliche Hand. Die Elemente Erde, Wasser, Luft und Sonne verflocht er kunstvoll miteinander, sodaß sich diese Landschaft als vornehme Gastgeberin der Qualitätsrebe offenbarte.

Slowenien ist ein kleines Land in Mitteleuropa, eingebettet zwischen Alpengipfeln im Norden, der Adria im Süden, dem Karst im Südwesten sowie dem Pannonischen Becken. Sloweniens Fläche besteht zur Hälfte aus Wald, der andere Teil sind Wiesen, Äcker und Weingärten. Nicht zu Unrecht wird dieses Land das "Grüne Herz Europas" genannt. Es hat etwa 2 Millionen Einwohner und grenzt an Österreich, Ungarn, Kroatien, Italien und die Adria. Es erstreckt sich etwa 200 km weit von Ost nach West.

Sloweniens Landschaft zeigt sich äußerst abwechslungsreich, die Klimaeinflüsse reichen von mediterran über alpin bis zu pannonisch, was beste Voraussetzungen für Tourismus, aber auch für den Weinbau schafft. Vor allem Individualisten finden hier zwischen Alpen, Weinland, Meer, Karst und sonnigen Hügeln nicht nur landschaftlich Reizvolles, sondern auch historisch und kulturell Entdeckenswertes.

In Slowenien treffen germanische, romanische und slawische Kultureinflüsse aufeinander: Sie alle haben ihre Spuren hinterlassen. Das Land ist reich an Kulturdenkmälern und anderen Schätzen, die zum Teil noch gehoben und von Besuchern entdeckt werden wollen.

Ebenso entdeckenswert ist aber auch die Weinkultur Sloweniens.

Die Tradition des Weinbaus in Slowenien läßt sich mehr als 2400 Jahre zurückverfolgen. Es waren die Kelten, von der Apenninenhalbinsel kommend, die die ersten Rebstöcke anpflanzten.

Die römische Besiedlung beschleunigte die Entwicklung, insbesondere Veteranen der römischen Legionen, vor allem in der Gegend von Poetovium (Ptuj/Pettau). Weinbau und Kellerwirtschaft erreichten ein erstaunliches Niveau. Ausgrabungen beweisen die hohe Weinkultur in der römischen Zeit. Die Qualität pannonischer Weine wurde bereits von den römischen Schriftstellern Strabo und Dio Cassius gelobt, Plinius der Ältere erwähnte den Anbau im Karstgebiet und bezeichnete dessen Weine als Lebenselixier. Nach der Ansiedlung der Slawen im 6. Jh. kam die Weinkultur fast zum Erliegen.

Ein weiterer Aufschwung im Weinanbau erfolgte in Slowenien im 11. Jahrhundert in erster Linie durch die Kirche und ihre Orden und erreichte seinen Höhepunkt im 12. Jahrhundert. Bücher aus dem Mittelalter geben Zeugnis davon, daß Weine aus Slowenien am Hof in Wien sowie bei den Erzbischöfen in Salzburg sehr geschätzt waren. In den nachfolgenden Jahrhunderten wechselten sich Höhen und Tiefen in der Weinbauentwicklung ab.

Nach der Reblausplage, der auch hier große Rebflächen zum Opfer fielen, kam der Weinbau nur langsam wieder in Schwung. Allerdings ist seit Gründung des Staates Slowenien 1991 eine verstärkte Wiederanpflanzung zu registrieren - eine Tendenz, die mit der erwarteten EU-Mitgliedschaft des Landes in Zusammenhang steht.

Seit den letzten 10 Jahren erlebt Slowenien einen enormen Aufschwung sowohl bei der Kellermodernisierung als auch beim Flaschendesign sowie bei der Produktion international anerkannter Weine, was sich in zahlreichen Prämiierungen niederschlägt.

Slowenien verfügt über 26.000 ha Weingärten, davon 23.000 im Ertrag. Slowenische Weine zeichnen sich durch eine große Vielfalt aus, die ihre Ursache in den unterschiedlichen klimatischen und geologischen Bedingungen, aber auch durch eine Vielzahl von autochthonen (einheimischen) und international bekannten Rebsorten hat. Die geographische Aufteilung der Rebflächen erfolgt nach Weinbauregionen, diese nach Untergebieten.

Diesmal berichte ich über die Weinbauregion Primorje mit ihren Untergebieten Goriska Brda (Görzer Hügel) und Vipavatal (Wippachtal).


PRIMORJE

Der Name Primorje kommt aus dem slowenischen Wort "Am Meer"; nur ein kleiner Teil dieser Region ist eigentlich an der Küste. Aber ihre nordwestlich-südwestlichen Täler tragen die vorteilhaften Einflüsse des Mediterranen weit ins Land hinein. Die Region ist charakterisiert durch ein mediterranes Klima mit zeitweise beißendem Nordostwind, der Bora, warmen Sommern und mineralstoffreichen Böden - die Mischung dieser Charakteristika unterscheidet sich in jeder einzelnen Weinbauregion. Die Bora beeinflußt alle diese Gebiete: sie ist nicht nur ein sehr kalter Wind, der einen Windkältefaktor von -25 Grad C erzeugen kann, er ist auch sehr heftig mit Windböen bis zu 200 km/h und er ist sehr trocken. Die Bora ist relativ selten im Sommer, aber ein häufiger Besucher vom späteren Herbst an bis Anfang Frühjahr - sie trocknet den Boden aus und erodiert sogar die oberen Schichten, dadurch macht sie die Region sehr ungastlich für weniger resistente Pflanzen.

Die Sommer werden ziemlich heiß in Primorje, obwohl sie durch den Einfluß des Mittelmeers gemildert werden. Regelmäßig wie ein Uhrwerk kommen schwere Regenfälle zwischen der letzten September- und der ersten Oktoberwoche. Dies macht eine spätere Lesen - wie in Podravje - praktisch unmöglich, da die Trauben faulen würden (es gibt eine bemerkenswerte Ausnahme von dieser Regel, die Pikolit-Rebe). Ein baldiger Frühjahrsbeginn und heiße Sommer bringen die Trauben aber früh zur Reife: der Most wird reich an Zucker, und die Haut und das Fruchtfleisch sammeln mehr Pigmente an als Trauben in kühleren Regionen. Andererseits neigt die Säure dazu, niedrig zu sein.

Es gibt 14.000 ha Reben in der Primorje-Region, die über vier Weinbauuntergebiete aufgeteilt sind: Goriska Brda, Vipavatal, Karst und Koper. Als generelle Regel (natürlich mit Ausnahmen) gilt, daß die Weine des Primorje dazu neigen, trocken und mineralisch zu sein, mit niedriger Säure und feinem Bouquet. Sowohl Rot- als auch Weißweine tendieren zu kräftigeren Farben als jene von anderen Regionen. Das Primorje ist das einzige slowenische Weinanbaugebiet, in dem die Rotweine 50 % der Produktion ausmachen; überall sonst dominiert der Weißwein.

BRDA

Das slowenische Wort "brda" bedeutet "Hügel" , und dies ist die einfachste Beschreibung der Brda-Gebietes: eine Region von niederen, runden Hügeln im westlichen Teil Sloweniens, der an Italien grenzt. Das Gebiet wird oft als Goriska Brda bezeichnet, weil die größte Stadt im Gebiet Gorica (Görz) ist. Bei ganz genauer ampelographischer Bezeichnung wird das Gesamtgebiet mit seiner einheitlichen geologischen und klimatischen Umgebung in drei Teile geteilt: in die westliche Brda (die sich auf italienischem Staatsgebiet befindet und dort als Colli Orientali, DOC Collio bekannt ist, was "östliche Hügel" bedeutet", für Italien liegt dieses Gebiet ja im Osten des Landes); in die Goriska Brda, die weinbestandenen Hügeln im Nordwesten von Görz; und in die Osrednja (Mittel-)Brda zwischen den Flüssen Idrijca und Reka, das am wenigsten fruchtbare der drei Teile. Die beiden letzteren bilden die Brda-Weinregion Sloweniens.

Die Böden des Gebietes bestehen meistens aus Mergel, Schiefer und Sandstein (Flysch). Die Landschaft besteht aus niedrigen, sanften Hügeln, die im Südwesten in die Ebene von Friaul auslaufen. Die Hügeln sind sehr anfällig für Erosion, daher müssen die meisten Weingärten terrassiert sein. Das Klima ist mediterran, obwohl das Gebiet keinen direkten Kontakt mit der Küste hat, aber die Regenfälle sind hier reichlicher als an der Küste; die Sommer sind mäßig heiß.

Die Weingärten auf den oberen Hängen sind horizontal gepflanzt auf breiten Terrassen, jede charakteristisch zwei oder mehr Reihen von Weinreben tragend. Der Zwischenraum zwischen den Rebzeilen ist gejätet, jedoch wird meist ein breiter Grasstreifen am Rand jeder Terrasse belasseen, zur Vorbeugung vor der Erosion. Die Terrassen sind auf den steileren Hängen weniger breit, manchmal wächst das Gras durch die Reihen hindurch. Nur die Weingärten in den Tälern sind völlig ausgejätet - diese sind selten, aber trotzdem möglich, da die sanfte Hügellandschaft genug Sonnenschein den ganzen Weg entlang bis zum Boden der meisten Täler zuläßt.

Von allen slowenischen Weingebieten hat die Goriska Brda den höchsten "Hektarertrag" an Medaillen und Preisen von Weinmessen und Ausstellungen in den letzten 20 Jahren. Die charakteristischen Weißweine dieses Gebietes sind mild, harmonisch, frisch und voll; sie reifen allgemein gut. Die bekanntesten Weißweine des Gebietes sind der Tokaj (Tocai Friulano, der möglicherweise bald "Furlano" heißen wird), mit seinem charakteristischen Mandelgeschmack und feinem blumigen Bouquet; der feine Beli Pinot (Weiburgunder, Pinot blanc); der volle Sauvignon mit seiner aromatischen Harmonie; der Chardonnay, der seine Spitze durch Barriqueausbau erreicht; der Sivi Pinot (Grauburgunderburgunder, Ruländer, Pinot gris, Pinot Grigio); und der Malvazija. Der charakteristischste Wein des Gebietes ist der Rumena Rebula (Ribolla Gialla).

Die besten Rotweine dieses Untergebietes sind Cabernet Frank, Cabernet Sauvignon, Merlot und Modri Pinot (Blauburgunder, Pinot Noir) - Weine mit tiefer Farbe, die hier besonders gut reifen.

VIPAVATAL

Das Vipavatal liegt zwischen dem Trnovskoplateau und der niederen Karstregion, eine trennende Senke zwischen dem nördlichen Hochplateau des Karstes und der klassischen Karstregion. Im mittleren Tertiär wurde das Tal mit Flysch angefüllt. Die Landschaft ist hügelig, obwohl niedrig, zwischen 45 und 300 m Seehöhe.

Das Klima ist hier von submediterran bis kontinental. Der Regenfall ist reichlich und die Böden sehr fruchtbar, aber es ist auch das Gebiet, in dem die Bora herrscht. Das Klima variiert entlang des Tales, wobei das nordöstlichere Ende ein deutlich kontinentaler akzentuiertes Klima aufweist als das südwestliche.

Die Gestaltung der Weingärten variiert, aber die Erosion ist hier nicht Hauptproblem: Die Rebzeilen sind horizontal zum Hang angelegt, oder vertikal mit optimaler Sonnenbescheinung. Die Biljeski Grici (Hügel) im südöstlichen Teil des Tales sind sehr tief, bestehend aus fast flachem Terrain, aber sogar am nördlichsten Teil des Tales entlang des Podnanos gibt's flache Weingärten am Hang. Hier zeigt der Boden die rötliche Färbung der Terra rossa.

Die klimatische Verschiedenheit zeigt sich in den unterschiedlichen Weinsorten des Vipavatals. Der westliche Teil, der an die Goriska Brda grenzt, ist bekannt für feine, aber doch volle Weißweine von mediterraner Art: Malvazija, Rebula, Sauvignon und Beli Pinot. Diese Weine sind reich an Extrakten, aber noch harmonisch und aromatisch. Die besten Rotweine des westlichen Vipavatals sind Barbera, Cabernet Sauvignon und Merlot, die besten Exemplere Cabernet Sauvignon und Merlot im Barriqueausbau. Die charakteristischen Weine des zentralen Vipavatals sind sehr frisch mit ausgeprägtem Bouquet. Die vorherrschenden Weißweine sind: Malvazija Rebula, Sauvignon Beli Pinot; Barbera mit seiner speziellen Milde ist der beste Rotwein.

Die Weine des nordöstlichen Talendes sind kontinentaler - körperreiche und aromatische Weine, reich an Säure , die bei geringer Ernte in jungen Weinen ziemlich grob sein kann. Spezialitäten dieses Untergebietes sind die autochthonen Weißweine Zelen und Pinela; unter den Rotweinen werden auch Merlot, Barbera und Cabernet Sauvignon angebaut. Vrtovcan ist eine halbtrockene Cuvée aus Zelen, Pinela, Rebula, Sauvignon und Beli Pinot. Vipavec ist eine trockene Cuvée aus Zelen, Pinela, Rebula, Sauvignon und Beli Pinot.

Im nächsten Bericht können Sie über das Gebiet Karst (Kras) und Koper lesen.

 

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