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Slowenien - |
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Teil III: die Weinregion Podravje mit den Gebieten Maribor, Slovenske Gorice und Radgona-Kapela
Vor ungefähr 10 Millionen Jahren - geologisch ziemlich in der neueren Zeit - entstanden die Pohorjeberge (das Bachergebirge) aus ihrem magmatischen Ursprung, hineindrückend in Paläozoische metamorphe Felsen, diese spannend und zersprengend. Die Erosion hat sogar schneller gearbeitet und dabei die Täler und Seen des Pannonischen Meeres bis zu 4000 m Tiefe mit Sedimenten aufgefüllt. Die jüngere, heftige geologische Geschichte schuf die einzigen Erdöl- und Erdgasfelder in Slowenien - obwohl bei weitem nicht genug, um aus Slowenien ein OPEC-Land zu machen - und die berühmten Thermalquellen. Während der letzten 10 Millionen Jahren trocknete das Pannonische Meer ganz aus und hinterließ die breite Pannonische Ebene. Die nachfolgende Erosion aller verschiedener Sedimente aus unterschiedlichen Zeitaltern schuf hunderte von kleinen Hügeln mit mineralreichen warmen und fruchtbaren Böden entlang der Küste des früheren Meeres; ein Alptraum für Ingenieure, die in dieser Region Straßen bauen, aber ideal für den Weinanbau. Es ist ein besonderer Boden in dieser Region - ganz anders als jene in anderen Weinregionen Sloweniens - der die Weine so exklusiv und spezifisch macht. Diese Böden entstanden hauptsächlich aus Nichtkarbonatgestein. Das Klima der Region variiert vom typisch kontinentalen des östlichen Teiles bis zum gemischten alpin-kontinentalen im Westen. Ein Überfluß an sonnigen Tagen bewirkt manchmal auch Trockenheit, aber die heißen Winde, die von der Pannonische Ebene wirbeln, werden gemäßigt durch die kühlen Ausläufer der Alpen, die auch die Region vor dem rauhen Nordwetter schützen. Die Winter sind gemäßigt kalt mit regelmäßigem schweren Schneefall. Wein ist in dieser Region schon seit prähistorischen Zeiten bekannt: Die letzten archäologischen Funde lassen uns wissen, daß keltische und illyrische Stämme den Wein gekannt haben, den sie wahrscheinlich von den Griechen kennen gelernt haben. In der Römerzeit gab's ebenfalls hervorragenden Wein, und hier war die erste kommerzielle Weinbauregion, die wiedergegründet wurde, nachdem die barbarischen Invasionen aus dem Osten nachgelassen hatten. Podravje ist Sloweniens größte Weinbauregion und in 6 Weinbaugebiete geteilt: Maribor, Radgona-Kapela, Srednje Slovenske Gorice, Haloze, Ljutomer-Ormoz und Prekmurske Gorice. Die Weine aus der Podravje-Region gehören zu den angesehensten in Slowenien; die Region ist besonders für ihre Spätlesen bekannt und für andere Weine von besonderer Qualität. Ihr mildes Klima und spezifischen Böden sind ideal für aromareiche Weißweine. Den deutsche Einfluß spürt man am meisten in der Auswahl der kultivierten Reben der Region - die besten Weißweine der Region sind ähnlich denen aus Rhein und Mosel, aber generell aromatischer, süßer und voller, dank des warmen Klimas. Die meisten aromareichen Weißweine des Podravje reifen gut, dank ihrer reichen Säure. Weinkenner lagern regelmäßig gute Jahrgänge von Rheinriesling (Renski Rizling), Welschriesling (Laski Rizling), Sauvignon, Sipon, Sivi Pinot (Grauburgunder) und Beli Pinot. Traminec (Traminer) ist eher ein delikaterer Wein des Podravje und reift gut nur unter idealen Bedingungen. Rumeni Muskat (Gelber Muskateller) sollte innerhalb von 2 bis 3 Jahren nach der Lese konsumiert werden: dieser gereifte Wein ist sehr nobel, aber tendiert zum Verlust der charakteristischen Muskatnote, und sein Bouquet wird dem von reifem Laski Risling (Welschriesling) ähnlich. Die Radgonska Ranina und der Risvanec eignen sich nicht für die längere Lagerung. Die besten Jahrgänge der letzen 20 Jahre in der Podravje-Region waren 1983, 1990, 1992 und 1993. Das Gebiet Maribor (Marburg) befindet sich an der Westgrenze der Podravje-Region, und hierhin reicht der klimatische Einfluß der Pannonischen Ebene am weitesten. In diesem kühlsten Gebiet des Podravje sind nur die Vorberge geeignet zum Weinanbau; Ihre Weingärten befinden sich meistens an Osthängen. Die Böden des Gebietes setzen sich hauptsächlich zusammen aus quarzreichem Mergel und Lehm, stammend aus erodiertem metamorphischen (Phylliten) und vulkanischem (Tonaliten) Gestein, das die Pohorje- und Kozjak-Berge bildet.
Die jüngere Weinbaugeschichte dieses Gebietes, und vor allem der gesamten Podravje-Region, ist unauslöschbar mit dem Namen von Erzherzog Johann von Österreich verbunden. Er war das 13. Kind von Kaiser Leopold II. und Maria-Luise. Das Datum 10.3.1822 ist mit goldenen Lettern in die Geschichte des Podravje geschrieben: an diesem Tag kaufte Erzherzog Johann ein Gut nahe Pekre. Seit seinem Tod heißt dieses Gut Meranovo, benannt nach Meran in Südtirol, wo der Erzherzog im Schloß Schenna begraben liegt. Die offizielle Geschichtsschreibung sagt, daß sich der Erzherzog in das Land verliebt hat. (Die nicht so offizielle fügt hinzu, daß es da noch einheimische Weiblichkeit gegeben haben soll.) Erzherzog Johann widmete einen großen Teil seines Lebens der Entwicklung der Weinkultur in diesem Gebiet und führte viele neue Sorten aus Rhein und Mosel in die Region ein, einschließlich Renski rizling (Rheinriesling), Traminec, Sivi Pinot und Modri Burgundec (Pinot Noir). Heute gehören diese zu den angesehensten Sorten des Maribor-Gebiete und des ganzen Podravje. Er führte auch neue Anbaupläne und Ausbildungstechniken und experimentierte mit Sorten aus Ungarn, Italien und sogar der Krim. Er gründete 1832 eine Weinbauschule und errichtete einen Fonds, der Pensionen für alte und abgearbeitete Vinicarji (angeworbene Weingartenarbeiter, das "Weinbauproletariat") garantierte, die wenigstens 10 Jahre für einen Besitzer eines Weingutes gearbeitet hatten. Auf dem Gut Meranovo dominieren noch immer die Weine, die Erzherzog Johann eingeführt hat. Sie gewinnen regelmäßig Preise bei den Weinmessen in Slowenien und im Ausland. Der Höhepunkt des Angebotes von Meranovo ist ein ausgezeichneter Sauvignon mit seinem überwältigendem reif-blumigen Bouquet. Das Maribor-Gebiet ist bekannt für seine edlen, extrem aromatischen Weißweine: sein Laski rizling reift besonders gut, und sein Renski rizling ist der Höhepunkt der Weine von Maribor, obwohl er in den Weingärten des Gebietes nicht dominant ist. Weinkenner schätzen besonders die Spätlese des Renski rizling von Piramida, oberhalb von Maribor gelegen - der Anblick dieser schönen Weingärten ist der eindrucksvollste Anblick, der den Besucher begrüßt, der sich Maribor vom Westen nähert. Andere erfolgreiche Weißweine dieses Gebietes sind der säurereiche Sipon; die aromareichen Chardonnay und Beli Pinot; der charakteristische Sauvignon mit seinem Bouquet; der Sivi Pinot (Rulandec), mit vollem Körper, guter Balance und komplex; der Rumeni Muskat mit seinem überwältigenden Aroma; und natürlich der sanfte, süße und aromatische Traminec, der sich regelmäßig mit dem Traminec aus dem Radgonska-Kapela-Gebiet um den Titel des besten Traminers matcht. Die Anzahl der Rotweine ist nicht besonders groß; der Modri Pinot, der als erster von Erzherzog Johann eingeführt wurde, bleibt der Höhepunkt der Region. Die Modra Frankinja (Blaufränkisch) kann auch einige hervorragende Jahrgänge rund um Maribor produzieren, während die Zametna crnina eine lange Tradition in dem Gebiet hat: Die älteste lebende Weinrebe in Europa (und wahrscheinlich auf der ganzen Welt), die noch immer wächst und Trauben trägt, ist eine Zametna crnina, gepflanzt vor ca. 440 Jahren in Lent, einem Stadtteil von Maribor. Ihre Lese ist ein festliches Erlebnis: es werden von dieser alten Rebe jährlich nur ca. 50 l produziert, und diese werden in spezielle kleine Flaschen abgefüllt, die danach mit offiziellen Zertifikaten und dem Siegel der Stadt Maribor verkauft werden. Der meistgeschätzte Cuvée dieses Gebietes ist der Mariborcan aus Renski rizling, Laski rizling, Sauvignon und Traminec. Traditionell wird dieser Wein immer während der Siegesfeier nach dem jährlichen Ski-Weltcup-Rennen der Damen am Pohorje serviert. Der Ritoznojcan ist ein trockener Cuvée aus Laski rizling, Renski rizling und Sipon. Diese Mischung hat eine sehr lange Tradition und wird mit den Jahren immer besser, da der junge Wein außerordentlich reich an Säure ist. Die meisten der ausgezeichneten Weine werden produziert und gelagert in dem großen, ungefähr 200 Jahre alten Weinkeller der Vina, auch bekannt als der "Weintabernakel" von Maribor, der eine Fläche von 20.000 m2 in 3 km langen Tunneln unterhalb des Stadtzentrums einnimmt. Die Kellerkapazität beträgt 7 Millionen l Wein. 70 % des Kellers sind der klassischen Lagerung in Fässern aus Slawonischer Eiche gewidmet, somit ist der Weintabernakel von Maribor einer der größten klassischen Keller in Europa. Im Archiv des Weintabernakels von Maribor lagern fast alle slowenischen Jahrgänge nach 1945 - insgesamt über 450.000 Flaschen - und einige Jahrgänge, die es sonst nirgendwo gibt. Ein interessantes Detail: vielleicht nach dem Vorbild von Ptuj haben die Betreuer des Tabernakels von Maribor einen kleinen "Minitabernakel" konstruiert, der sich irgendwo innerhalb des großen befindet. In diesem lagern nur 50 der besten Flaschen, und nur der Kellermeister weiß, wo sie liegen. Dieses Gebiet bildet klimatisch betrachtet einen Übergang zwischen den Ebenen um die Drau des Maribor-Gebiets und der mehr pannonischen Landschaft samt Klima des benachbarten Gebiets Radgona-Kapela. Die Region ist durchgehend hügelig, und nur seine südlichen und östlichen Lagen sind für den Weinbau geeignet. Die Böden sind ein Produkt aus Sedimenten des mittleren Miozäns, charakteristisch für den Rand der pannonischen Ebene: Ton, Sand und Mergel.
Ptuj (Pettau), damals Poetovio genannt, war zur Römerzeit ein berühmtes Zentrum des Weinbaus, der aber im frühen Mittelalter verfiel. Eine kurze Wiederbelebung begann während des 9. Jahrhunderts, aber im 10. und 11. Jahrhundert war Ptuj Teil einer umstrittenen Grenzregion und ein häufiger Schauplatz blutiger Schlachten, als sich ungarische Stämme westwärts ausbreiteten. Ptuj selbst wurde während dieser turbulenten Zeiten zweimal geplündert und niedergebrannt - der Weinbau blühte nicht in dieser Periode. Nur im 12. Jahrhundert, als die ungarischen Stämme schließlich gezwungen wurden, sich ostwärts zurückzuziehen, begann der Weinbau ein dauerhaftes Wiederaufblühen. Der älteste Weinkeller in Ptuj, der alte Keller des Minoritenklosters, ist über 400 Jahre alt und auch heute noch in Gebrauch. Ein Anhaltspunkt dafür, wie groß die Weinproduktion um Ptuj in der Vergangenheit war: das Rekordjahr 1845 zeigt, daß die Familie Dietrichstein, die Eigentümer von Schloß Ober-Pettau, 50.000 l Wein allein am Anfang des Jahres verkauft haben; die Angaben über frühere Rekordernten sind verlorengegangen. Heute kann Ptujska klet, das älteste Weinarchiv Sloweniens, stolz die hervorragendsten Jahrgänge zeigen, einschließlich "Zlata trta" (Zierfandler) 1917, Zeleni Silvanec 1919, Renski Rizling 1926, 1935 und 1938 - und viele andere mehr. Weißweine sind die Hauptprodukte des Gebietes; seine Sauvignons, Laski Rizlings, Chardonnays, Sipons und andere sind durchaus unterschiedlich. Besonders auf südlichen Lagen rund um Podgorci und Velika Nedelja erreichen der Sauvignon und der Rumeni Muskat (Gelber Muskateller) besondere Qualität. Der Modri Pinot bringt auf einigen Lagen exzellente Rotweine hervor. Die Kultivierung anderer roter Sorten, die einmal in diesem Gebiet sehr populär waren - Modra Frankinja (Blaufränkisch), Zametna Crnina und Modra Portugalka (Blauer Portugieser) - hat stark abgenommen. Dieses Gebiet liegt auf dem rechten Ufer der Mur und erstreckt sich von Nordwest nach Südwest von Gornja Radgona (Oberradkersburg) an der österreichischen Grenze bis Ljutomer (Luttenberg). Es handelt sich dabei um eine Kette niederer Hügel mit sanft gerundeten Gipfeln und stark erodierten steilen Böschungen. Die Böden bestehen aus mitteltertiärem Sandstein und Mergel.
Das Gebiet ist auch bekannt für seine zahlreichen Quellen von exzellentem Mineralwasser, eine Erinnerung an eine lebhafte geologische Geschichte. Das Klima ist kontinental, mit heißen Sommern und kalten Wintern, aber nicht so ausgeprägt wie im benachbarten Gebiet Prekmurske Gorice. Die Geländeformationen sind hier tiefer und stärker gerundet als im benachbarten Gebiet von Srednje Slovenske Gorice. Die meisten der Weingärten befinden sich auf den Hügelspitzen und sonnige Hänge blicken nach Süden und Südost bei einer Seehöhe von 220 bis 320 m. Einige Weingärten sind mit voller Absicht auf den Schattenseiten der Hügel gepflanzt, beginnend am oberen Ende und in einigem Abstand zu den nordwestlichen Tälern hin herabsteigend. Ihre Umgebung mit dem spezifischen Mikroklima macht diese Lagen besonders geeignet für die Spätlese, "suhi jagodni izbor", und Eisweine. Die Städte Gornja Radgona und Kapela sind die beiden dominierenden Produktionszentren. Unter den Weißweinen des Radgona-Untergebietes ist wahrscheinlich am weitesten bekannt der Zlata Radgona Penina, ein Schaumwein, der nach der Methode Champenoise produziert wird. Die Keller in Radgona haben eine lange Tradition in der Produktion von Schaumweinen, gegründet im frühen 19. Jahrhundert durch Alojz Klenosek (der Name ist heute noch in in Grazer der Sektfirma Keinoscheg lebendig). Radgonska Ranina ist ein anderer bekannter Weißwein - überaus verständlich, seit diese Variante ursprünglich auf den Gütern von Clotar Bouvier in Hercegovscak nahe Gornja Radgona geschaffen wurde. Der Traminec (Traminer) ist ein anderer bekannter Vertreter des Gebietes - tatsächlich wetteifern Radgona und Maribor ständig miteinander, wer den besten Traminec in Slowenien produziert, wobei Radgona öfter der Verlierer ist. Das Kapela-Untergebiet produziert eine große Vielfalt von Weißweinen, einschließlich des Renski Rizling, Beli Pinot, Sivi Pinot, Rizvanec, Chardonnay und andere. Die Meisten von diesen werden auch um Gornja Radgona herum angebaut und ihre vergleichbare Qualität hängt von speziellen Lagen und Jahrgängen ab. Das Gebiet von Kapela hat anerkannten Erfolg bei der Produktion des Modri Pinot (Pinot noir) erzielt. Der Janzevec ist der weitum meistgeschätzte weiße Verschnitt des Gebietes. Es handelt sich um einen halbtrockenen Wein, der mit Renski Rizling, Sipon, Laski Rizling und Sauvignon verschnitten ist; er ist ziemlich reich an Säure und reift gut. Die besten Jahrgänge: 1981, 1983, 1985, 1989 und 1993. Lesen Sie im 4. Teil über das Weinbaugebiet Prekmurske Gorice, Haloze und Ljutomer-Ormoz Weitere Infos über Weinangebote und Reisen nach Slowenien erhalten Sie bei:
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