| War Nestroy
jemals in Verona? |
|
| Oder wußte er nur
damals schon welche Qualitäten die Wachau hervorbringen kann?
Knieriems Traum. Erinnern Sie sich auch an Knieriem? Diesen Gott begnadeten Trinker, der mit seinem Lotterie-Gewinn die halbe Wachau leersoff? Diese Zauberposse mit Gesang, Lumpazivagabundus, von Johann Nepomuk Nestroy wurde 1833 uraufgeführt. Mit Nestroy selbst als Knieriem. Ich erinnere mich noch sehr gut an den Film aus dem Jahr 1956, in dem Paul Hörbiger die Rolle seines Lebens spielte. An die Locations in der Wachau, an die relativ kleinen Holzfässer, die heute vielleicht Barrique genannt würden. Und an die seligen Gesichter, ob der Qualität der Weine. Heute hat man dasselbe Gefühl, kommt man als Weinkenner Anfang April nach Verona. Nur sind es keine Fässer, sondern Messestände. Und man braucht keinen Lotteriegewinn, sondern nur das Geld für die Eintrittskarte. (Es sei denn man übernachtet hier und geht abends gut essen, dann reicht Knieriems Gewinn wohl keine drei Tage!) Ist man noch dazu "italoviel", dann sind ungefähr zwei Drittel der knapp 50.000 Quadratmeter das Paradies. Eine Riesenhalle mit Wein aus der Toscana, vom Chianti bis zum Brunello, vom einfachen San Giovese bis zum Vino Nobile di Montepulciano. Gleich anschließend die Halle der Piemonteser mit Barbera, Barbaresco und Barolo, abgesehen von Dolcetto und Moscato. Aber was hat man schon als Knieriem der Neunziger davon, wenn man Gaja, Braida, Banfi oder Antinori zwar verkosten darf (und das auch nur mit den richtigen Connections oder der richtigen Visitkarte) sich die Weine aber entweder nur mit Lottogewinn leisten kann oder dieselben sowieso schon ausverkauft sind, wenn man daran denkt eine Order abzugeben. Kein Problem für die modernen Knieriems. Es gibt ja La Marche, Apulien, Kampanien, Kalabrien oder Sardinien mit Gemeinschafts-Ständen. Und eine ganze Halle nur Sizilien. Und das ist erst Italien. Der Knieriem 1999, inzwischen Weinfreak benamst, freut sich über Verkostungen, die diverse Malbec aus Argentinien (Nestroy, weißt du wo das liegt?), Cabernet/Shiraz aus Australien oder Ribera del Duero aus Spanien anpreisen. Von Californiern oder etwa Ungarn gar nicht zu reden. Und wenn Knieriems Winzer von 106 möglichen Medaillen immerhin 10 abräumen, sprechen die Journalisten von 10 Prozent, immerhin unter 24 Nationen. Und wenn von knapp Hunderttausend (!) Fachbesuchern, mehrere Tausend den Österreich-Stand suchen, dann hat Nestroy doch was erreicht, oder? Oder wenn einer der bekanntesten amerikanischen Weinimporteure, namens Vin Divino in Verona einen Stand macht und großen Wert darauf legt, daß Kracher, Loimer, Wieninger, Pichler, Heinrich & Co. Dort auch anwesend sind, ist das doch wohl ein Zeichen für die Qualität der österreichischen Weine. Und dann das Restaurant der Knieriem’s. Kein Tisch zu kriegen. Wegen der herrlichen österreichischen Küche, der ebensolchen Weine und des wieselflinken Service des Teams vom "Wirt in Judendorf". Fazit: Der Lottogewinn ist wohl bestens angelegt in Weinen eher noch unbekannter Regionen, der neuen Welt, Spanien und Österreich. Dementsprechend zufrieden waren Knieriems Lieferanten mit den Kontakten und Aufträgen. Auch wenn der Gemeinschaftsstand mit namhaftesten Winzern von Allram bis Zull und Gsellmann bis Polz ein Wermutstropfen war, der mit seinem Aussehen eher ins Premierenjahr des alten Lumpazi-Filmes gepaßt hätte als nach Italien 1999, wo selbst der kleinste Winzer einen einladenden, flotten Designerstand hat. Aber wir haben ja noch ein wenig Zeit bis zum 30. März 2000, denn da beginnt die VinItaly 2000. War das jetzt zu wenig sachliche Information für Sie, geschätzter Leser? Okay: Die eher schwächeren Jahrgänge 92-96 sind sowohl in der Toscana, als auch im Piemont das Geld nicht wert. Hier sollten wir warten auf 97 und 98, die großartig werden. Im Moment kann man natürlich auf grandios gemachte Brunelli und Baroli von Gaja, Giacosa, Braida, Scavino und wie sie alle heißen mögen zurückgreifen, um die "Etikettentrinker" zu bedienen. Sinnvoller ist es aber, auf Weine mit einem sensationellen Preis-Leistungsverhältnis zurückzugreifen, wie man sie eben z.B. bei einem Rosso Conero von Piancarda aus den Marken, einem Ronco delle Ginestre von Castelluccio aus der Romagna, einem Montepulciano; Abruzzo von Valentini, bei den Sagratini di Montefalco von Arnaldo Caprai aus Umbrien, einem Negro Amaro von Vallone aus Apulien, dem Regaleali aus Sizilien oder einem Cannonau aus Sardinien finden kann. Ebensolche "preiswerte" Weine findet man noch in Spanien und in der "neuen Welt", wobei auch in Chile und Argentinien durch die Joint Ventures mit Mondavi, Frescobaldi & Co. bereits Kultweine mit ebensolchen Preisen enstehen. Großartige Weine finden sich in Ungarn, wo Winzer, wie Attila Gere (bekannt durch sein Joint Venture mit Franz Weninger aus Horitschon) oder Tiffan in Villany (Süd-Ungarn) hervorragende klimatische und Bodenverhältnisse vorfinden und Cuvees aus Kekfrankos (Blaufränkisch) mit Cabernet Sauvignon keltern, die bei internationalen Wettbewerben regelmäßig großes Staunen verursachen. Ebenso wie die österreichischen Winzer, die seit Jahren im Weißweinbereich große Nationen das Fürchten lehren, aber immer das Problem haben, einfach zu klein zu sein. Seit ein paar Jahren schaffen auch unsere Rotweine den Sprung in die internationale Spitze. Natürlich mit etwas Glück. Waren in Österreich die Jahre 90-95 relativ gute Rotweinjahre, waren ebendiese Jahrgänge in Frankreich und Italien eher klein. Trotzdem, ein sehr großer österreichischer Weinbaubetrieb bewirtschaftet vielleicht 20-30 Hektar und baut dort mindestens 4 weiße und ebensoviele rote Weine an. Im Bordeaux ist man mit 300 Hektar ein eher kleiner Betrieb, der aber auf dieser Riesenfläche nur maximal 2 Weine keltert. Zum Abschluß: Robert Mondavi bewirtschaftet nur in Nappa Valley 800 Hektar, mit seinen Joint-Ventures werden es wohl ein paar tausend sein. (hk) |
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